Happy Birthday Vulkanausbruch am Fagradalsfjall

Geburtstagsarrangemt aus neuer Lava, Mütze und Elfen. 19.03.2022

Es war unglaublich, einzigartig und ich bin voller Dankbarkeit, dass ich dies erleben durfte! Ich rede vom Vulkanausbruch im Geldingadalur beim Fagradalsfjall auf der Halbinsel Reykjanes in Island. Heute, am 19. März 2022 ist es genau ein Jahr her, seit der Ausbruch startete. Was für ein Ereignis,  so nahe bei der Zivilisation und doch so ungefährlich! Niemand konnte dies voraussehen, auch die Wissenschaftler wussten nicht, was genau geschehen würde und im Nachhinein lässt sich sagen, unglaublich viele Leute bestaunten und genossen den Blick auf die speienden Krater und die glühende, fliessende Lava. Das Naturspektakel wurde von Beginn weg fast wie ein Volksfest gefeiert und zu meinem eigenen Erstaunen musste ich gestehen, es passte sogar. Der Aufstieg zur Ausbruchsstelle war nicht einfach, der Abstieg in der Dunkelheit über das weglose, gefrorene Gelände noch schwieriger – aber es war jede Mühe wert! 

Wegen der anhaltenden Pandemie war es überhaupt nicht einfach, nach Island zu reisen. Ich war kaum zu Hause von meiner privaten Wintertour, die ich auch dank meinem Genesenenstatus ohne problemlos und sobald ein Flug gefunden war,  machen konnte. Während meiner Reise bebte die Erde auf der Halbinsel Reykjanes bereits häufig und teilweise so kräftig, dass man aus dem Schlaf erwachte. Immer wieder waren Erdbeben auch weiter weg spürbar. Ein Ausbruch schien immer wahrscheinlicher zu werden, nur wann und wo genau es losgehen würde, konnte niemand voraussagen. Kurze Zeit vor dem wirklichen Ausbruch war die Erde dann auch etwas ruhiger. Aber am Abend des 19. März ging es los und die Leute konnten den Schein der glühenden Lava über dem Fagradalsfjall erkennen. Die im Vorfeld installierten Webcams liefert auch gleich Bilder. Sofort begaben sich die Vulkanologen des Meteorologischen Dienstes auf einen Erkundungsflug und die Bevölkerung wurde gewarnt. Aber zahlreiche Autos waren ebenso schnell unterwegs und stauten sich entlang der Flughafenstrasse Reykjanesbraut. Man wollte sich dies mit eigenen Augen ansehen und live dabei sein. Erste Flugaufnahmen erschienen innert Kürze und ab Tag 2 machten sich mehr und mehr Leute direkt zur Ausbruchsstelle auf. Man wusste kaum, wo lang gehen und schon gar nicht wo das Auto hinstellen. So wurde irgendwo geparkt und das Chaos war bald einmal da. Gar manche begaben sich auf die beschwerliche und lange Wanderung, zum Teil mit guter Kleidung, tauglichen Schuhen und genügend Verpflegung, andere wiederum hatten nichts dergleichen dabei und litten entsprechend, einige mussten gerettet werden. In wenigen Tagen wurde aber Infrastruktur bereitgestellt, Parkplätze und so gut als möglich Wege geschaffen, an den steilsten Stellen Halteseile montiert. 

Scharenweise war die isländische Bevölkerung zum Ausbruch unterwegs, wenn es das Wetter erlaubte, noch schafften es nicht sehr viele Touristen einzureisen. Und es war laut, wenn man in der Nähe es Kraters und der fliessenden Lava war. Man hörte die Lavafontänen, das Fliessen und Knacken des flüssigen Gesteinsbreis, die Helikopter und Kleinflugzeuge, die Drohnen und natürlich die Leute, die in geringem Abstand zur Lava am Boden sassen, staunten, picknickten, sogar auf dem heissen Gestein Würstchen grillten, sangen und den Moment einfach genossen.

Wer weiss, ob es so etwas je wieder geben würde? Mit dem Einbruch der Dunkelheit wurde alles noch spektakulärer. Ungefähr um 22 Uhr machte sich mit mir ein langer Strom auf den Rückweg. Eine lange Schlange von Stirnlampen war unterwegs und man konnte sich definitiv nicht verirren. Aber es war unglaublich festzustellen, dass sich ungefähr gleich viele Stirnlampen in der Gegenrichtung bewegten und erst ankamen…

Glühender Krater und ein Strom von Stirnlampen. 29.03.2021

Bis zum Herbst durfte ich die Ausbruchsstelle und die neue Lava mehrmals besuchen, zu Fuss und auch per Helikopter, manchmal einfach von Keflavik den glühenden Schein erkennen. Immer wieder sah es anders aus, zuerst gab es nur einen Krater, dann zwei, dann mehrere, später wieder nur einer. Im frühen Sommer konnte man an der Lavazunge, die leicht zu erreichen war, zuschauen, wie sich der Gesteinsbrei vor den eigenen Füssen verbreitete und Neues entstehen liess.

Etwas Gestein fand auch den Weg zu mir in die Schweiz und zieren nun zum ersten Jahrestag meine Wohnung.

Im Sommer waren es dann vor allem Touristen, welche nun zahlreicher nach Island kamen und unbedingt zum Vulkan wollten. Auf der letzten Wintertour erkannte man bei der Ankunft vom Flugzeug aus deutlich, dass das Gestein noch immer warm ist. Die ganze Umgebung war vollständig schneebedeckt, schwarz und noch etwas dampfend präsentierte sich die neue Lava Fagradalshraun. Happy Birthday Vulkanausbruch am Fagradalsfjall und danke für das unglaubliche Erlebnis!

Blick aus dem Flugzug zum schwarzen, warmen Lavafeld auf der verschneiten Halbinsel Reykjanes. 17.02.2022

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