Island in Bewegung mit Gletscherlauf, Landhebung und Vulkanausbruch – Updates

See Öskjuvatn und Krater Viti in der Askja Caldera. 04.08.2012

Kurz nach Veröffentlichung des folgenden Berichts, sind bereits Updates zu allen drei Themen fällig. Diese findet man ganz am Ende von Text und Bildern.

Noch ist man sich nicht sicher, ob der Vulkanausbruch beim Fagradalsfjall im Südwesten nur eine Pause macht oder endet, gleichzeitig hebt sich im östllichen Hochland das Land beim Vulkan Askja und im Südosten wartet man gespannt, ob der zweite Gletscherlauf des Flusses Skafta die Ringstrasse überflutet oder andere Schäden anrichtet. Island ist zur Zeit sehr in Bewegung und es lohnt sich, die einzelnen Ereignisse etwas genauer anzuschauen!

Skafta-Gletscherläufe

Am 8. September ist der Wasserpegel des Flusses Skafta wie erwartet stark angestiegen. Die Skafta-Gletscherläufe sind bekannt und ereignen sich ungefähr alle zwei oder drei Jahre. Das Flusssystem wird gut überwacht. 2018 musste die Ringstrasse teilweise gesperrt werden, da viel Wasser über die Strasse Nr. 1 floss, wie auf dieser Webseite berichtet wurde. Erst gerade hatte sich der westliche Skaftarkrater unter dem Skaftarjökull Gletscher entleert. Nun folgt der östliche und man erwartet grössere Wassermengen, so dass es bereits zu Warnungen und Pistenschliessungen im Hochland kam. Man verfolgt jeweils die Wassermengen, die bei Sveinstindur gemessen werden und kann damit mengenmässige und zeitliche Prognosen erstellen. Bei der Brücke über Eldvatn, einem Flusszweig der Skafta wurden am Mittag des 8. September 600 Kubikmeter pro Sekunde gemessen, vom westlichen Krater kamen vor wenigen Tagen 200 Kubikmeter Wasser geflosssen. Normalerweise fliessen 80 Kubikmeter in einer Sekunde durch. Beim Sveinstindur wurden am Vortag 1500 m3 gemessen, die Wassermenge hat aber bereits wieder abgenommen. Die ersten 40 Kilometer legt das Wasser unter dem Gletscher zurück, nach weiteren 28 Kilometern im Flussbett der Skafta zeichnet die Messstation am Sveinstindur Wasserstand und Wassermenge auf. Von dort fliesst das Wasser in ungefähr 10 Stunden zur nächsten Messstation bei Asar am Eldvatn, nahe an der Ringstrasse. GPS-Messungen zeigen, dass sich die östliche Eishöhle absenkt als Folge des Wasserabflusses aus dem Kratersee. Die Absenkung kann schlussendlich 60 bis 100 Meter betragen. Wie es scheint, wird die Wassermenge von 2018 bei den aktuellen Gletscherläufen nicht erreicht und voraussichtlich bleibt die Ringstrasse offen, allfällige Schäden können erst später gesichtet werden, wenn das Wasser abgeflossen ist. In den nächsten Tagen wird es aber in der Skafta und den Zweiggewässern noch viel Wasser haben. Ein eindrückliches Video zeigt Iceland Monitor.

Landhebung bei Askja

40 Jahre lang war das Land bei der Vulkancaldera Askja abgesunken. Der Vulkan brach letztmals 1961 aus, in den Jahren 1970-1972 konnte man eine Landhebung feststellen, aber seit 1983 senkte sich das Land stetig ab. Anfangs August 2021 hat sich die Richtung der Landbewegung wieder geändert, im westlichen Teil des Sees Öskjuvatn nahe beim Krater Olafsgigur erhebt sich das Land. Innerhalb eines Monats waren es fünf Zentimeter, mittlerweile sind es 6,5 bis 7, eine stattliche Zahl für die kurze Zeitdauer! Gemäss den Vulkanspezialisten des Geologischen Institutes der Universität kommt es nicht zwingend zu einem Ausbruch. Vermutlich fliesst unterirdisch Magma ein und verursacht die Landerhebung.Aktuell gibt es keine grosse Erdbebentätigkeit, aber das könnte sich schnell ändern. Da der Vulkan Askja im Hochland liegt, gibt es keine grosse Bedrohung für besiedelte Gebiete, aber es könnte Touristen treffen, welche im Gebiet unterwegs sind. Ein Ausbruch im Öskjuvatn wurde viel Asche produzieren.

Die Askjacaldera von oben. Air Iceland Inlandflug, 12.08.2015

Das Gebiet um die Vulkancaldera Askja wird nun intensiv überwacht. Auf der Farbkarte für Fluggefährdung in Island wurde Askja nun auf gelb geschaltet zusammen mit Grimsvötn. Darunter falls Vulkane mit erhöhter Unruhe. Von rot auf orange heruntergestuft wurde gleichzeitig der Ausbruch auf der Halbinsel Reykjanes, der aber noch nicht als beendet erklärt wurde.

Aviation Farbcode Karte. Bildschirmfoto von vedur.is. 09.09.2021

Vulkanausbruch beim Fagradalsfjall

Wie bereits mehrmals berichtet, gab es seit Ausbruchsstart am 19. März auf der Halbinsel Reykjanes bereits verschiedene Eruptionsphasen und die Landschaft im Geldingadalur und den Nachbartälern hat sich stark verändert. Nachdem sich gleich viele Isländer zur Ausbruchsstelle aufmachten und nahe zum Krater konnten, sind es nun mehrheitlich Touristen, welche Richtung Grindavik pilgern, teilweise extra nach Island fliegen, was bei Start der Eruption wegen der Pandemie nur bedingt möglich war. Während zu Beginn kontinuierlich Lava aus dem Vulkan floss, zeitweise mehrere Krater in einer Reihe aktiv waren, welche wieder erloschen, gewannen die Lavafontänen aus dem Hauptkrater später an Höhe und waren auch von Orten wie Grindavik, Keflavik, Reykjanes und sogar von Akranes zu sehen. Je mehr Lava ausfloss, desto weniger nahe konnte man an den Krater heran. Die neue Lava hatte das Geldingadalur bereits aufgefüllt, teilweise Aussichtspunkte und Webcams überflossen und ergoss sich in die Nachbartäler Meradalir und Natthagi. Die Lavazungen wuchsen schnell, glühend wälzte sich die Lava vorwärts, direkt zu den Füssen der Besucher! Im Laufe des Sommers änderte das Ausbruchsgeschehen merklich, der Vulkan begann zu pulsieren und wechselte zwischen aktiven Stunden und Stunden ohne sichtbare Lava ab. Über Tage gab es fast einen regelmässigen Rhythmus, auf Webseiten und in Facebookgruppen wurden Bilder der Webcams gepostet, wenn es losging oder wenn sich die Kurve der Tremor-Grafik des Wetterdienstes nach oben richtete. Man lernte die Zusammenhänge bald, wusste wann sich der Krater mit glühender Lava füllte oder leerte. Seit einer Woche stiegen die Tremor-Kurven nicht mehr an und im Krater wurde auch keine glühende Lava mehr gesehen.

Wiederum sind die Vulkanologen gefordert und werden gefragt, ob der Ausbruch vorbei sei. Die Eruption als beendet zu erklären, wäre zu früh, sagt Thorvardur Thordarson, Professor für Vulkanologie. Noch tritt Gas aus dem Krater aus. Die Entgasung lasse auf vorhandenes Magma in nicht grosser Tiefe schliessen. Was aber genau verhindert, dass das Magma die Erdoberfläche erreicht, wisse man nicht. Eine Blockade könnte den Ausbruch tatsächlich stoppen. Seit einiger Zeit ist auch das Lavafeld, welches mittlerweile den Namen Fagradalshraun erhalten hat, nicht mehr gewachsen und nicht mehr über neues Land geflossen. Die Lavadecke wurde während der aktiven Zeit dicker, in den inaktiven Phasen des Ausbruchs konnte diese auch mehr auskühlen. In Kraternähe dürfte die Lava mittlerweile bis zu 100 Meter dick sein, an den Lavazungen misst sie nur wenige Meter. Noch ist nicht klar, ob sich über längere Zeit ein Schildvulkan aufbauen wird. Dazu müsste unterirdisch Lava fliessen, welche langsamer abkühlt und weiter fliesst. Der Krater ist mittlerweile sehr tief geworden, 60 bis 70 Meter dürften es sein und der Abfluss des Magmas geht noch tiefer. Vielleicht fällt die Magma während den inaktiven Stunden aufs Niveau vor dem Ausbruch zurück. Es braucht dann einige Stunden Aktivität, bis sich der Krater füllt und Lava ausfliesst. Es wird sich zeigen, ob das bei diesem Ausbruch nochmals der Fall sein wird. Bis jetzt wurde die südliche Strasse bei Grindavik nicht von Lava überflossen, wie ein Weile befürchtet. Diese Gefahr scheint zur Zeit gebannt zu sein. Nach wie vor ist ein Besuch des Lavafeldes bei Natthagi attraktiv. Es gibt dort unendliche Lavastrukturen zu entdecken. Aber noch sollte man nicht auf der Lava herumgehen, welche im Untergrund immer noch heiss ist und man könnte im neuen Gestein einbrechen!

Updates

Eggert brauchte keine Webcam und konnte von Zuhause sehen, dass der Vulkan wieder aktiv war. Handybild Eggert, 11.09.2021

Vulkanausbruch im Geldingadalur: Der Vulkan schien achteinhalb Tage lang zu schlafen, als am Morgen von 9/11 eine überraschende Meldung kam. Unter anderem war es Matthias Vogt von Volcano Heli, welcher beim Überflug am Morgen selbst überrascht glühende Lava im Krater entdeckte. Die Tremorkurve war bereits angestiegen und alle, die an diesem Tag die Möglichkeit hatten zur Ausbruchsstelle zu wandern, erlebten äusserst eindrückliche Momente, welche schöner und schöner wurden, als die Nacht kam. Es gab wiederum glühende Lavaströme und dazu schoss die Lava an einzelnen Stellen einem Geysir ähnlich aus dem Lavafeld. Gemäss den Informationen der Vulkan- und Naturgruppe der Universität Islands auf Facebook, hat der Ausbruch während den letzten Tagen nicht aufgehört. Es scheint offensichtlich, dass die Öffnung des Kraters verstopft war und deshalb kein Magma aufsteigen konnte. Während der ganzen Zeit dürfte Lava unter dem  Lavafeld im Geldingadalur geflossen sein. Anzeichen dafür waren schwache Tremore, aus dem Krater aufsteigende Gase, sichtbare, glühende Lava in Öffnungen von Lavakanälen, sowie verbrannte Vegetation an den Rändern des Lavafeldes. Am 11. September wurde aber schlussendlich der innere Druck der unterirdischen Lava zu gross und durchbrach die darüberliegende Gesteinsschicht und glühende Lava begann an mehreren Orten auszuströmen. Gleichzeitig war auch wieder feurig rote Lava im Krater von oben zu sehen. Wer nicht direkt beim Vulkanausbruch war, konnte das Leuchten aus der Ferne bestaunen, bevor das für Sonntag und Montag angekündigte stürmische Wetter die Oberhand gewann. Es bleibt spannend um den Vulkanausbruch und für die kommenden Reisen behalten wir die Geschehnisse gut im Auge!

Landhebung bei Askja: Aufgrund der Auswertung von GPS-Daten und Satellitenbildern haben die Behörden am 9. September die Ungewissheitsstufe über den Vulkan Askja ausgerufen. Damit wird die Überwachung verstärkt und der Zivilschutz kann unkompliziert und schnell handeln, sollte es nötig sein. Vermutlich hat sich Magma in einer Tiefe von zwei bis drei Kilometern angesammelt.

Skafta-Gletscherlauf: Glücklicherweise sind die Wassermengen bei den beiden Gletscherläufen geringer ausgefallen als befürchtet. Die Ringstrasse musste zu keiner Zeit wegen Überflutung gesperrt werden. Eindrückliche Satellitenbilder vom Vatnajökullgletscher veröffentlichte Morgunbladid, bei bestem Wetter waren sogar die beiden im oberen Text erwähnten Calderas an der Gletscheroberfläche sichtbar.

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