Und dann folgte der Ausbruch auf Reykjanes

Beitrag zum Vulkanausbruch auf Island. TV-Bild SRF Tagesschau, 20.02.2021

(Leicht überarbeitet und angepasst 21.03.2021) Gerade hatte ich den Reiseüberblick zur letzten Tour auf dieser Webseite fertigestellt und veröffentlicht, als plötzlich viele Meldungen auf den sozialen Medien hereinströmten. Eldgos, Vulkanausbruch auf der Halbinsel Reykjanes, erste Bilder zeigten einen verschwommenden, roten Himmel. Nach und nach folgten Bilder der glühenden Lava in der Nacht. Jetzt galt es die in verschiedenen Medien zu prüfen, wo es die zuverlässigsten Informationen gab, denn ich war am Abend des 19. März 2021 nicht vor Ort. Verlässlich war der Bericht von der Flughafenstrasse nach Keflavik, wo sich die Autos der Schaulustigen bereits stauten. Jeder wollte live sehen, was sich durch mehr als 50’000 Erdbeben seit dem 24. Februar, aber vielleicht eher insgesamt über 15 Monate angekündigt hatte (früherer Bericht). Niemand konnte voraussagen, wo, wann und wie es geschehen würde, die ersten Berichte geben den Experten aber recht, der Ausbruch würde nicht nahe einer Siedlung erfolgen, die Erde würde sich öffnen und ohne viel Asche zu produzieren, würde Lava ausfliessen.  Entgegen ersten Medienmitteilungen öffnete sich eine Spalte nicht am Fagradalsfjall, dem häufigsten Erdbebenherd, sondern im Geldingadalir (übersetzt Tal der Wallache), einem Tal gleich neben dem Berg Richtung Vulkan Keilir. Die Küstenwache überflog das Ausbruchsgebiet kurze Zeit nach Eruptionsbeginn mit einem Helikopter der Küstenwache. Eindrückliche Bilder eines Lavastroms von geschätzten 200 Metern Länge gingen kurze Zeit später um die Welt.

Aufnahme kurz nach Ausbruchsbeginn aus dem Helikopter der Küstenwache. Bildschirmfoto vedur.is/facebook, 19.02.2021

Der Ausbruch ist zwar nicht sehr weit weg von Reykjavik, näher liegt aber zum Beispiel die erdbebengeschüttelte Ortschaft Grindavik, doch selbst dort besteht keine unmittelbare Gefahr. Das Wetter war anscheinend nicht toll, so dass in Keflavik und von einigen Livekameras nur ein schwaches Rot am Himmel erkennbar war. Absolut aufregend war es trotzdem, nach den vielen Erdbeben im Gebiet! Weitere Informationen und Bilder waren am am Morgen darauf zu finden. In den neusten Berichten war auch schon von einem kleinen und bereits rückläufigen Ausbruch die Rede. Nun war auch klar, es handelt sich um einen Spaltenausbruch. Unsere häufigste Vorstellung von Vulkanen sind kegelförmige Berge, an deren Spitze flüssige Lava in die Höhe schiesst, das sind die Stratovulkane. In Island aber öffnet sich oftmals die Erdoberfläche und die Lava feuert aus mehreren Kratern entlang der Spalte. Noch konnte ich nicht  erfahren, wie lange die Spalte des Geldingarausbruchs jetzt ist. Im Vergleich dazu aber war der ähnliche Ausbruch von Holuhraun 2014/15 deutlich grösser. Weitere bekannte Spalteneruptionen waren Leirhnjukur (Myvatn) 1727-46 und 1974-84 mit einer fünf Kilometer langen Spalte, 1783 öffnete sich die Lakispalte und ein für Mensch und Tier katastrophaler Ausbruch begann, in dessen Folge ungefähr 130 Krater auf 25 Kilometern entstanden.Noch grösser waren die Ausbrüche bei Eldgja in den Jahren 934-40, zur Zeit als sich die ersten Siedler niederliessen. Diese Spalten im Bereich des Mittelatlantischen Rückens sind nicht weiter erstaunlich, da die Kontinentalplatten hier durch aufsteigendes Magma auseinander driften. Aber es gibt in Island auch viele andere Vulkantypen, wie die erwähnten Stratovulkane und Schildvulkane. Beim aktuellen Ausbruch wurde kaum Asche ausgeworfen. Eine Gefahr kann Schwefeldioxid in hohen Konzentrationen sein und die Behörden warnten davor, wie auch von der weiten Wanderung bei schlechtem Wetter zum Ausbruchsort (Beitrag von Iceland Review). Dies hielt aber diverse Einheimische nicht ab, sich dennoch alles selbst vor Ort anzuschauen. Teilweise erreichten die Leute das Gebiet mit Quadbikes und posteten bereits Selfies auf den sozialen Medien. Die Isländer leben mit Vulkanausbrüchen, durchschnittlich ereignet sich so etwas ungefähr alle fünf Jahre. Trotzdem können solch riskante Ausflüge auch schief gehen! Selbst wenn sich nun herausstellt, dass es sich hier nur um eine Eruption von kleinem Ausmass handelt, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass mit den Erdbebenserien von 2020 und 2021 und dem jetzigen Ausbruch eine neue aktive Phase auf der Halbinsel Reykjanes begonnen hat, welche, wie bereits in einem früheren Beitrag erwähnt, Hunderte von Jahren dauern kann. Die letzte Phase dauerte vom Jahr 800 bis 1240. Ebenfalls bestätigt sich auch gerade meine Theorie von gehäuften, weltweiten Bewegungen der Kontinentalplatten, heute gab es in Japan ein Erdbeben der Stärke 6,9 und für ein paar Stunden galt eine Tsunamiwarnung. Deutlich schwächer, aber in Schwarzenburg gut spürbar war ein Erdbeben mit Epizentrum in Niederscherli bei Bern. 

Nun aber bin ich gespannt, wie es weitergeht im Geldingadalir, hält der Ausbruch noch eine Weile an oder hört er schon bald auf? Zum Glück ist in Keflavik eine Kamera von mir und wer weiss, ob es Eggert schafft, einige tolle Aufnahmen zu machen. Matthias von Volcano Heli flog bereits über den Ausbruch und schickte mir nun Bilder. Herzlichen Dank für die Berechtigung diese zu veröffentlichen. Die Eruption lässt sich auch mitverfolgen. Die Livekamera von RUV liefert Tag und Nacht eindrückliche Bilder. Journalisten haben mit Erlaubnis das Ausbruchsgebiet besucht. Text und Bilder von RUV. Die Chancen, dass ich in Kürze und wegen des Ausbruchs nach Island fliege sind nicht sehr gross, aber sollte jemand eine Reise nach Island in Erwägung ziehen und möchte dies mit Reiseleitung tun, so braucht es nicht viel, um mich zu überreden (info@bestoficeland.ch).

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