Abenteuerliche F210 zu Maelifell – Erinnerung und Vorfreude

Auf der F210 durch den Maelifellsandur zum Berg Maelifell. 20.07.2020

Es ist eine der atemberaubendsten Strecken im isländischen Hochland, nach der Fahrt im September 2018 durfte ich sie im Juli 2020 ein weiteres Mal erleben. Die Rede ist von der Piste F210, welche unter anderem zum mittlerweile bekannten Kegelberg Maelifell führt. Die F210 ist auch bekannt als Fjallabaksleid Sydri und zählt zu den technisch schwierigeren Fahrstrecken, vor allem auch wegen der Flüsse, welche zu queren sind und ab und zu viel Wasser führen. In der Folge fahren wir die Strecke von Westen nach Osten.

Die Ringstrasse verlassen wir kurz nach Hella und erreichen die Torffarm Keldur, welche bereits in 12. und 13. Jahrhundert erwähnt wurde. Seit dieser Zeit mussten die Torfhäuser oft neu gebaut werden, Ruinen von 16 bis 18 früheren Gebäuden wurden gefunden. Die heutigen Gebäude entstanden nach zwei heftigen Erdbeben in den Jahren 1896 und 1912. Im Sommer lässt sich diese als Museum besuchen. Keldur ist ein unglaublich friedlicher Ort, auch wenn in der Nähe der Vulkane Hekla und Tindfjöll, der Besuch lohnt sich unbedingt. Gleich bei Keldur zweigt man ab in die Piste F210. Der Buchstabe „F“ in der Strassennummer informiert, dass ein 4×4 Fahrzeug notwendig ist, ein guter Jeep ist empfehlenswert, es warten auch einige Schlüsselstellen und Furten. Die Piste führt zuerst südöstlich am Vulkan Hekla vorbei. Die ganze Landschaft ist bereits von Lava und Lavasand geprägt, bevor sie an eindrücklichen Kratern vorbei durch ein trollhaftes Lavafeld führt. Hier quert man die ersten Furten.

Vor dem Berg Laufafell gibt es eine Abzweigung auf eine ziemlich schlechte Piste, welche Richtung Hrafntinnusker und Krakatindsleid führt. In höheren Lagen lag auch spät im Juli noch Schnee, aber vor der Hütte Dalakofinn erreicht man einen lohnenswerten Wasserfall, welcher entweder keinen Namen hat oder den ich noch nirgends gefunden habe. Zurück auf der F210 tauchen im Norden zahlreiche Rhyolithberge auf und man kann von weitem die heissen Quellen erkennen, welche ich im November 2019 mit Matthias per Helikopter besuchte. Die Piste führt nun hinunter zum Fluss Markarfljot, welcher merhfach verzweigt in einem breiten Flussbett fliesst. Autospuren zeigen, wo diese Flussläufe am besten zu queren sind. Dieses Mal hat es nicht sehr viel Wasser, der Untergrund ist eher sandig und die Furt insgesamt problemlos. Nach einem weiteren Bergrücken taucht der See Alftavatn auf mit den Hütten. Hier trifft man mit dem bekannten Trekking-Wanderweg Laugavegur zusammen, welcher Landmannalaugar und Thorsmörk verbindet. Einzelne Wanderer sind auch unterwegs, eventuell übernachten sie in der Hütte oder im Zelt ausserhalb.

Nur wenige Kilometer weiter südlich liegt gleich die Hütte Hvanngil, welche auch Übernachtungsmöglichkeiten bietet und wo ebenfalls campiert werden kann. Gleich dort gilt es den Fluss Kaldaklofskvisl zu furten, welcher ziemlich heikel sein kann. Der Grund besteht aus groben Steinen, die auch wegrollen, der Wasserstand ist entscheidend. Im August hatte ein deutscher Jeepfahrer mit seinem eigenen Fahrzeug grosse Probleme, konnte aber gerettet werden, wie in Visir berichtet wurde. Für die Laugavegur-Wanderer gibt es hier eine Fussgängerbrücke. Zum Glück gelang auch diese Flussquerung! Von Südwesten mündet nun die Piste F261 von Fljotshlid ein, es ist eine Möglichkeit die zuletzt beschriebene Furt zu vermeiden. Nach einer Passage mit grossen Lavaplatten, welche man am besten sehr langsam bewältigt, wartet der grosse schwarze Sand, der Maelifellsandur. Dieser ist dem Gletscher Myrdalsjökull vorgelagert. Ab jetzt fährt man parallel zur grossen Gletscherkappe, vor allem nachmittags gibt es im Sandur vermehrt Schmelzwasserbäche. Deshalb ist es besonders wichtig, den Pistenmarkierung zu folgen. Die Landschaft ist sehr eindrücklich mit dem schwarzen Sand, dem Gletscher, den moosbewachsenen grünen Hügeln, kleineren Kratern und leuchtend hellgrün gesäumten Bachläufen.

Und dann taucht er auf, der kegelförmige, ebenfalls grün überwachsene Vulkankegel Maelifell. Die Spitze des Kegels liegt auf einer Höhe von 791 Metern über Meer oder 200 Meter über der Umgebung. Maelifell bedeutet Messhügel und weiter neun Berge in Island sind so benannt, da sie früher zur Navigation genutzt wurden. Der Vulkan entstand unter dem eiszeitlichen Eis, wurde aber vor ungefähr 10’000 Jahren freigelegt, als sich der Myrdalsjökull nach der letzten Eiszeit zurückzog. Untypischerweise hat er aber keinen flachen Rücken, sondern verläuft in eine etwas abgerundete Spitze. In den letzten Jahren hat Maelifell an Popularität gewonnen, vermutlich durch Bilder auf der Plattform Instagramm und wird von vielen Fotografen aufgesucht. Dies heisst aber noch längst nicht, dass auch alle, die den Berg sehen möchten, diesen auch erreichen. Wer nicht auf einer geführten Tour ist, braucht wirklich ein gutes Fahrzeug und noch fast bessere Fahrkünste!

Kurz nach Maelifell endet auch der Gletscher, an dessen Ostseite die F232, Öldufellsleid entlang nach Süden führt. Dies ist ebenfalls ein Zubringer zu Maelifell, aber auch diese Piste ist wegen den Furten und ausgewaschenen Abschnitten nicht zu unterschätzen. Richtung Norden liessen sich nun noch der Berg Strutur mit Hütte  und heisser Quelle besuchen, dies werden wir später einmal machen. Dieses Mal genossen wir die seenähhliche, grüne Flusslandschaft Brytaleakir, bevor die F210 nochmals über einen Fluss führt.

Auch die Holmsa ist mehrfach verzweigt und es gilt zu prüfen, wie hoch der Wasserstand ist und wo man am besten fährt. Gleich danach gibt folgt eine weitere Verzweigung.

Die F233 führt in die F208, die normale und etwas einfachere Fjallabakstrecke zu Eldgja, Langisjor, wie wir es 2018 testeten oder aber nach Landmannalaugar. Vorsicht, auf der F233 ist bei der Alftavatnskrokur-Hütte eine sehr steinige Furt, die auch mal tief sein kann. 2020 blieben wir aber auf der F210, ausgenommen war der Abstecher zum fotogenen Wasserfall Axlarfoss. Die Piste windet sich nun nach Süden durchs Skaftartungagebiet hinunter. Die Landschaft wird zusehends grüner. Gespannt war ich auf die Farm Ljotarstadir, wo die Schafbäuerin Heida zu Hause ist. Bei der Kirche Gröf endet die tolle Strecke F210 und mündet zuerst in die bessere 208 und schlusssendlich zwischen Vik und Kirkjubaerklaustur auf die Ringstrasse.

 

Die F210, ein unglaublich faszinierendes Hochlandabenteuer mit Maelifell als Krönung ist buchbar als Privattour oder geführte Selbstfahrertour, beides in Zusammenarbeit mit der Partnerfirma Best Travel. Kombinieren lässt sich diese Tour mit der erwähnten Öldufell-Strecke, mit den Laki-Kratern, mit dem nördlichen Fjallabakgebiet oder mit dem fahrtechnisch noch schwierigeren Tindfjalla-Ring. Mit Sicherheit können wir sagen, es ist ein unvergessliches Erlebnis, die Vorfreude aufs nächste Mal ist riesig! 

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.