Website-Icon Best of Iceland

Reynisfjara Strand fast ohne Sand

Strand Reynisfjara nach den dramatischen Veränderungen vom 7. Februar 2026. Bild Eggert, 14.02.2026

Am 7. Februar 2026 veränderten Naturgewalten den berühmten und beliebten Strand Reynisfjara dramatisch. Den einzigartigen, schwarzen, grossen Sandstrand westlich von Vik mit seinen grossartigen Basaltsäulen und Felsformationen, der wegen der Brandung und den Snaekerwellen auch gefährlich sein konnte, gibt es zur Zeit nicht mehr so, wie er auf Bildern und in unseren Erinnerungen bleibt. Wie Reynisfjara in Zukunft aussieht, wird die Natur entscheiden. Entgegen falscher Nachrichten kann Reynisfjara aber besucht werden.

Während Wochen herrschte eine eher untypischen Wetterlage mit andauernden, starken Ostwinden, welche in Kombination mit hohen Gezeiten extrem viel Sand von Reynisfjara Richtung Arnardrangur und Dyrholaey verfrachteten. Der Strand war immer Winden und Strömungen ausgesetzt, Sand wurde je nach Situation weggetragen oder angelagert. Nun aber wurde innert kurzer Zeit so viel wegerodiert, dass sich auch Steine und Felsblöcke von den Hängen lösten und Erdrutsche verursachten, Reynisfjara wurde innert kürzester Zeit völlig umgestaltet. Der grösste Teil des Sandes auf der östlichen Seite ist weg, der verbliebene Sand ist von Unmengen an Steinen überdeckt und die wunderschönen Basaltsäulen stehen nun im Meer. Reynisfjara wurde im Laufe der Jahre mehrmals von Reisemagazinen zu einem der zehn schönsten Strände der Welt auserkoren und erlangte so Berühmtheit. Kein Wunder wurde dieser Ort von sehr vielen (manchmal für meinen Geschmack zu vielen) Touristen besucht. 

Ein Bildvergleich von Thorir Kjartansson von 2023, August 2024 und Februar 2026 zeigt das Ausmass der jetzigen Erosion. Thorir stammt aus Vik, ist ein begnadeter Fotograf und kennt die Natur in der Region wie wohl kaum ein anderer. Vielen Dank, dass ich die Drohnenfotos hier veröffentlichen darf.

In den isländischen Medien wurde die Küstenveränderung auch anhand von Linien auf Bildern dargestellt, so veranschaulicht  MBL.is  die Verschiebung der Küstenlinie zwischen 1980 und dem  7. Februar 2026. Der Zeitrahmen bei der Darstellung von RUV.is ist etwas kürzer. Bereits im vergangenen Sommer hatte ich das Gefühl, der Strand sei nicht mehr so breit wie früher und die Wellen erreichten häufiger die Basaltsäulen.

Die Landbesitzer sind schockiert über das Ausmass der Küstenerosion auf ihrem Privatland. Sie hätten nie geglaubt, dass das Meer mit seiner Gewalt selbst grosse Steine und Felsbrocken Richtung Westen verlagern kann. Sie haben nun begonnen mit Bagger und Lastwagen die Felsbrocken einzusammeln und vor dem Parkplatz aufzuschichten, um ihre Infrastruktur mit Parkplatz und Restaurant zu sichern. Sie möchten, dass der Strand weiterhin besucht werden kann. Aber es gibt viel zu tun. Sowohl Landeigner als auch Meteorologen können sich vorstellen, dass bei Südwest- und Westwind der Sand von Dyrholaey wieder zurück verfrachtet wird, aber ob sich der Strand wieder in voller Grösse aufbaut ist ungewiss und wird die Zukunft zeigen.

Nein, der Strand ist nicht gesperrt, wie zum Beispiel reisereporter.de als fake News veröffentlichte. Die Meldung wurde auch als Pushnachricht auf Handys sendete – etwas peinlich für ein Portal, das sich Reisereporter nennt, finde ich! Mein Kollege Cédric hat genauer recherchiert, der Blogbeitrag von Island ProTravel informiert zuverlässig und verweist auch auf alternative schwarze Strände. Zur Zeit muss man mit Baumaschinen vor Ort rechnen, auch von Seite von Regierung und Behörden, ist eine Schliessung in Zukunft aus Sicherheitsgründen nicht ausgeschlossen.  Diese könnte auch zeitlich begrenzt sein, vor allem wenn grosse Gefahr herrscht. Aktuell dürfte der westliche Strandabschnitt gut zugänglich sein, Vorsicht muss man wie eh und je walten lassen.

Einzigartig, wunderschön und gefährlich liesse sich Reynisfjara kurz zusammengefasst beschreiben. Unzählige Male stand ich an diesem Strand und konnte mich an der Weite bis hinüber zu Dyrholaey nicht sattsehen. Am meisten genoss ich es, wenn der Parkplatz nicht voll war und der Strand eine gewisse Ruhe bot. Wie gerne schaute ich den Wellen zu, wie sie sich über den schwarzen Strand ausbreiteten und unter Bildung fantastischen Strukturen wieder zurückzogen. Ende Juli, anfangs August waren es dann die Papageitaucher, welche die Aufmerksamkeit auch auf sich zogen. Etwas wehmütig scrollte ich nun in alten Bildern.

Wer mit mir unterwegs war, erinnert sich vermutlich an meine wortmässigen Warnungen vom Abzweig von der Ringstrasse bis zum Strand, wie gefährlich es hier sei und man möge vorsichtig sein. Manche fragten sich bestimmt während der Fahrt, weshalb wir dort überhaupt hingehen. Aber alle waren überwältigt und drohten ob diesem tollen Anblick sowohl meine Worte als auch die Warnschilder und -lampen  zu vergessen. Die grösste Gefahr lauert in den Snaekerwellen, über welche ich bereits 2017 auf dieser Webseite berichtete. Einzelne Wellen kommen unerwartet viel höher als andere. Regelmässig konnte ich zuschauen, wie Menschen nasse Füsse kriegten oder beim Wegrennen vor den Wellen stürzten und ganz im Wasser landeten. In den letzten Jahren kam es in Reynisfjara trotz aller Warnungen zu mehreren tödlichen Unfällen. Ungeachtet dessen wurden weiterhin Selfies vor den Wellen gemacht oder liessen Eltern ihre Kinder gefährlich nahe am Wasser spielen.

Wie es weitergeht in Reynisfjara weiss nur die Natur, die Landbesitzer werden alles unternehmen, damit ihr Juwel nach wie vor besucht werden kann. So bald als möglich werde ich selbst einen Augenschein nehmen und mich entscheiden, ob es sich lohnt, diesen Stopp mit den Parkgebühren beizubehalten.

Die mobile Version verlassen