Wer für die erste Junihälfte eine Fahrt über den Breidafjördur mit der Fähre Baldur gebucht hat, erlebt gerade eine böse Überraschung. Alle Überfahrten wurden für die nächste Zeit storniert, das Schiff wird in dieser Zeit auf der Strecke zu den Westmänner-Inseln eingesetzt.
Die Gemeinden und Tourismusanbieter in den Westfjorden sind wütend über den Entscheid der Regierung. Nach den eher besucherschwachen Monaten durch den Winter, April und Mai kommt im Juni der Tourismus wieder in Schwung und beschert den Westfjorden Gäste. Die Gefahr für kurzfristige Stornierungen ist nun gross. Anstatt erholsam mit der Fähre in zweieinhalb Stunden von Stykkisholmur nach Brjanslaekur zu gelangen oder umgekehrt, gilt es nun 250 Kilometer zu fahren, die Fahrzeit wird mit dreieinhalb Stunden angegeben. Dies gilt nicht nur für die Bewohner der Westfjorde, für die Touristen, sondern auch für die Lastwagen, welche Fisch für den Export nach Keflavik bringen und dann wieder zurückfahren müssen. Für die Fahrer gibt es deutlich mehr Arbeitsstunden, die Schiffspassage konnte jeweils als Ruhezeit verbucht werden.
Die Besitzerfirma Ferjuleidir gehört den isländischen Verkehrsbehörden Vegagerdin und von Regierungsseite wurde der Wechsel damit begründet, dass die Fähre Baldur schon immer auch Ersatzschiff für die Westmännerstrecke war. Es braucht eine Schiffsverbindung nach Heimaey, da es keinen Landweg gibt, um den Inselort zu erreichen. Die Westmänner-Bewohner beklagten sich schon den ganzen Winter, die Verbindung zum Festland sei wegen ungünstigem Wetter, Hafenversandung in Landeyjarhöfn und Maschinendefekt schlecht gewesen und oft ganz ausgefallen.
Der Unmut beider Regionen ist sehr verständlich und vermutlich geht es nicht anders, als die Schwachstellen mit je nur einem Schiff und einem schlechten Hafen in Landeyjarhöfn irgendwann zu beheben. Es ist auch der Grund, weshalb die Bewohner von Heimaey seit Jahren einen Unterwassertunnel fordern. Dies ist aber ein sehr teures Projekt für ungefähr 5000 Menschen, die dort leben, auch wenn der Tourismus zunimmt und das berühmte, dreitägige Festival Thjodhatid anfangs August jährlich mehr Leute anzieht.
Für uns haben beide Regionen ihren speziellen Reiz und wir reisen gerne dorthin. Je eine Kleingruppenreise in die Westfjorde fand in den Jahren 2024 und 2025 statt. Obwohl beim Vogelfelsen Latrabjarg am 12. August die totale Sonnenfinsternis am längsten dauern wird, haben wir uns entschieden, unsere Eclipse-Reise nicht dorthin zu planen, es gibt zu wenig Übernachtungsmöglichkeiten und die Gefahr von Verkehrsüberlastung ist zu gross. Im Südwesten ist die Totalität dreissig Sekunden kürzer, wir hoffen dort auf unser Glück. Aber mit dem Wegfall der Fähre Baldur bin ich froh, dass wir diesen Juni nicht betroffen sind. Meine Gedanken waren natürlich auch sofort bei der Insel Flatey im Breidafjördur. Die Übernachtung dort war jeweils ein absoluter Höhepunkt der Reise. Vegagerdin schreibt, Flatey werde nun durch das Schiff Saerun ab Stykkisholmur (ein bis zweimal täglich) versorgt. Freitags und sonntags sind auch Tagesausflüge ohne Übernachtung möglich. Die Insel ist verkehrsfrei und es braucht nicht zwingend eine Autofähre dorthin, aber für Hotel Flatey dürfte es dennoch einschneidende Auswirkungen auf die Buchungssituation geben. Ob es weise war, den Fährauftrag 2025 dem Unternehmen Seatours zu entziehen und an die neue Firma Ferjuleidir zu übertragen, scheint zumindest fragwürdig zu sein. Mehrmals habe ich auch schon den Landweg in die Westfjorde genutzt und mag auch diese sehr. Sie führt durch einsame Regionen, seit einigen Jahren ist man daran diese Verbindung zu verbessern, durch Dämme und Brücken dank denen schwierigere Passhöhen umfahren werden können. Aber wer genügend Zeit mitbringt, sollte schon eine Übernachtung in der Mystic Light Lodge bei Budardalur einplanen, man kann die wenig befahrene Halbinsel mit Fellsströnd, vorbei an Hvammur, wo Audur die Tiefsinnige zu Wikingerzeiten lebte und Skardströnd umfahren, in Reykholar Vögel beobachten oder schwimmen gehen und auch sonst die Fahrt entlang der Küste geniessen.
Auf den Westmänner-Inseln waren wir nun eine Weile nicht mehr, aber nach dem Tag der Sonnenfinsternis sind wir dort für eine Nacht gebucht und hoffen natürlich, die Fähre wird uns auch problemlos nach Heimaey bringen. Auch das Pompeji des Nordens ist ein sehr attraktives Reiseziel und alles rund um den Ausbruch von 1973 liegt einem zu Füssen, als sei es erst gestern gewesen. Heimaey ist auch bekannt für seine Papageitaucherkolonie, um welche man sich aber wegen abnehmender Bestände etwas Sorgen macht.
Die Fährprobleme nach Vestmannaeyjar gab es bis jetzt meistens im Winter und es musste immer wieder der Hafen Thorlakshöfn in drei Stunden angefahren werden anstatt Landeyjarhöfn in 35 Minuten. Die ganze Südküste von Thorlakshöfn im Südwesten bis Höfn im Südosten ist mehr oder weniger sandig und es wurde wohl damit gerechnet, den neuen Hafen ständig ausbaggern zu müssen. Aber nun scheint auch das Unternehmen, welches den Auftrag für diese Arbeiten hat, in Schwierigkeiten zu sein und ein belgisches Unternehmen dürfte in Zukunft einspringen. Ab nächster Woche werden die beiden Fähren Herjolfur und Baldur nach Heimaey fahren, beim Schiff Herjolfur versucht man gleichzeitig die zweite Maschine zu flicken, damit dieses dann wieder voll übernehmen kann. Es gibt grosse Skepsis, ob der geplante Zeitrahmen bis 19. Juni eingehalten werden kann.
Unser Tipp für Westmänner-, Flatey- oder Westfjorde-Reisende: Oftmals werden Facebookseiten häufiger und genauer aktualisiert als die eigentlichen Webseiten. Bei der aktuellen Situation lohnt es sich vermutlich auch anzurufen, um sicher zu gehen, wann eine Schiff zum Wunschziel fährt. Und im Hinterkopf möge das isländische Motto thetta reddast – es geht dann schon irgendwie – mitreisen!
Den Originalbericht von Vegagerdin in Englisch findet man hier.

