Eclipse in Island, eine Sonnenfinsternis der besonderen Art

In Vogar wirbt eine riesige Sonnenfinsternisbrille für Elipse. 10.08.26, Bild einer Reiseteilnehmerin

Die Eclipse-Reise war schon früh ausgebucht, fast alle mit Voranmeldung waren ab dem 9. August 2026 dabei und gespannt auf die Sonnenfinsternis am späten Nachmittag des 12. August, über die ich am 03. Oktober 2025 einen Blogbeitrag verfasst hatte. Um es gleich vorwegzunehmen, das grosse Himmelsereignis präsentierte sich nicht wie erhofft, aber verzauberte uns alle dennoch für einen kurzen Moment und hallt immer noch nach. Eine gewisse Konsternierung kurz vor dem grossen Moment verwandelte sich wie durch ein Wunder in Begeisterung.

Die Werbung für „Almyrkvi“ (dt. totale Sonnenfinsternis) und „Solmyrkvi“ (dt. Sonnenfinsternis) war in Island maximal. Bereits am Flughafen wurde man mit Hinweisen und Produkten wie Sonnenfinsternisbrillen, Schokolade im Dutyfree begrüsst, in Vogar stand eine riesige Sonnenfinsternisbrille auf einem Hügel und im Supermarkt wartete ein spezielles Eclipse-Skyr.

Die meisten Unterkünfte waren trotz horrender Preise längst ausgebucht, die Rede war von total überlaufenen Westfjorden sowie Halbinseln Snaefellsnes und Reykjanes. Verkehrsmassnahmen wie Strassensperrungen, Einbahnverkehr und Shuttlebussen wurden angekündigt, eine Zeltstadt entstand für das geplante Festival in Hellissandur, Toi-Toi-Toiletten standen vielerorts bereit, mehr und mehr Kreuzfahrtschiffe trafen im Westen Islands ein.

Wegen all den Warnungen hatte ich längst geplant, die Sonnenfinsternis mit meiner Gruppe beim Ferienhaus in Vatnsleysuströnd in Ruhe und im privaten Rahmen zu geniessen. Die wenigen Kilometer von Hotel Vogar hätten vielleicht einige zu Fuss zurückgelegt. Ich hatte die Idee am frühen Nachmittag gemeinsam zu grillieren, die Sonnenfinsternisbrillen abzugeben und schlussendlich die Fotoposition auszuloten, sowie Kameras und Smartteleskop bereitzustellen. Eine optimale Vorbereitung wäre wichtig gewesen, denn die Totalität dauerte wie überall in Westisland nur kurz, am geplanten Ort 1 Minute 29 Sekunden. Der mitgebrachte Rotwein stand bereit, um nach dem Ereignis gemeinsam anzustossen.

Aber es kam ganz anders, denn der Wetterbericht prognostizierte nur schlechtes Wette. Die Hoffnung auf Änderung war vergeblich und auch das ständige Aufrufen der Wetterwebseiten nützte nichts. Für die gesamte Totalitätszone im Westen Islands wurde von Bewölkung bis Starkregen alles angesagt, nur die Sonne fehlte gänzlich und auf die isländische Wetterregel, wonach alles schnell ändert, konnte man sich nicht verlassen. Ich war im Dilemma, was wir tun sollten? Hatte Kachelmann doch recht, als er schon im Vorjahr schrieb, Spanien wäre die wettersicherere Destination, selbst bei Finsternis kurz vor Sonnennntergang. Es war wirklich ärgerlich, seit Ende Juli war ich meistens bei schönem Wetter in Island unterwegs und ausgerechnet für den entscheidenden Tag sah es nun schlecht aus. Der Wettergott meinte es gar nicht gut mit uns, aber er erbarmte sich dann doch im richtigen Moment am richtigen Ort. Zwei Tage vor dem Event begann ich umzudenken. Wir würden nicht einfach im Regen warten, sondern uns auf die Suche nach besserem Wetter machen. Die Ferienhaus-Idee wurde begraben. Allen Verkehrswarnungen zum Trotz fuhren wir um elf Uhr des 12. August los Richtung Borgarnes. Problemlos kamen wir dort an, verpflegten uns und kauften für alle Eventualitäten Picknick ein. Dank meines Netzwerks hatte ich eine gewisse Wetterüberwachung. Da waren im Süden die Kamera beim Ferienhaus und Guide Sigrun, welche sich entschieden hatte, mit ihrer Gruppe auf der Halbinsel Reykjanes zu bleiben. Weiter nördlich kontaktierte ich Esther und Pierre von Mystic Light Lodge bei Budardalur. Dort schien es weniger zu regnen als auf Reykjanes und wir entschieden, über Brattabrekka dorthin zu fahren. Auch in Budardalur und über dem Breidafjördur war der Himmel grau, ab und zu nieselte es etwas. Wir erkundeten ein kurzes Stück von Fellaströnd, blickten vom Kreuz auf dem Hügel, wo die frühe Siedlerin Audur gebetet hatte, aufs Meer.

Kreuz zum Gedenken an die frühe Siedlerin Audur mit Blick auf den Hvammsfjördur. Fellaströnd, 12.08.2026, 15.45 Uhr

Danach machten uns auf, den dunklen Moment bei der Mystic Light Lodge am Rande der Totalitätszone mitzuerleben, Esther und Pierre hatten uns eingeladen. Um diese Zeit schob sich der Mond bereits vor die Sonne, was wir leider nicht sehen konnten. In Ljarskogaströnd kam uns ganz überraschend eine Pferdeherde entgegen und auch Hündin Sif half uns etwas über die Enttäuschung hinweg.

Der starke Wind war eher unangenehm und wir begaben uns zum Strand hinunter. Sowohl Sonnenfinsternisbrillen als auch die gute Fotoausrüstung mit Stativen blieben im Bus, nur die kleinere Reisekamera hatte ich bei mir. Vom schönen Küstenabschnitt am Hvammsfjördur entdeckten wir etwas weiter draussen einige faulenzende Robben.

Und plötzlich geschah das Unerwartete, wie ein Wunder öffnete sich am Himmel ein kleines Wolkenloch und wir konnten die Sonne als Sichel kurz vor der Totalität erkennen. Bald darauf wurde es wirklich dunkel und unheimlich still. Es herrschte eine richtig mystische Stimmung an diesem wunderbaren Ort. Wir staunten, wie schnell es aber auch wieder hell wurde, mit den vorbeifliegenden Austernfischern erwachten wir wie aus einem Traum. Die Konsternierung war einer dankbaren Begeisterung gewichen! Ich selbst merkte, wie entspannt ich alles geniessen und aus der Hand ein Paar Fotos schiessen konnte, vor dem Fotostress im entscheidenden Moment hatte ich mich im Vorfeld etwas gefürchtet. Auch wenn wir weder den Diamantring noch die Sonnenkorona sehen konnten, dürfte uns der erlebte Moment in bester Erinnerung bleiben. Wie wir später erfuhren, konnte man wie wir auf dem Bolafjall bei Bolungarvik und in Hellissandur auf Snaefellsnes die Sonnenfinsternis durch das Wolkenloch sehen, während es in Reykjavik und auf der Halbinsel Reykjanes geregnet hatte. Einzig in Latrabjarg hellte das Wetter mehr auf und die Totalität liess sich besser verfolgen.

Galerie mit einigen Fotos des Eclipse-Moments:

Empfehlenswert und eindrücklich zeigt das Zeitraffervideo aus Fotos von 30 Minuten von Esther Mischler am Ende des Blogbeitrags wie das Tageslicht verschwindet und wieder kommt, welchen Hündin Sif im Namen der Mystic Light Lodge verfasste. Herzlichen Dank Esther und Pierre für sie spontane Gastfreundschaft!

Im Regen, aber ohne Verkehrsprobleme kehrten wir nach Vogar zurück, aus den vorgesehenen zehn Kilometern wurden an diesem Tag lohnende 500 Kilometer. Was hatten wir für ein unsägliches Glück im Unglück!

Bereits am nächsten Tag starteten wir zur Fortsetzung der Reise, zu den Vulkanen auf den Westmännerinseln und im südlichen Hochland. Als Souvenirs an das Eclipse-Erlebnis bleiben mir neben der schönen Erinnerung, die Fotos, einige ungenutzte Sonnenfinsternisbrillen, eine leere Flasche des Eclipse-Weins, die Verpackung der Schokolade, ein im Nachhinein gekaufter Sweater und das schöne Almyrkvi-T-Shirt mit Worten aus der Völuspa (gemäss Wikipedia erstes Lied aus der Weissagung der Seherin der altnorischen Lieder-Edda): „Sol ter sortna, sigur fold d mar hverfa, af himni, heidar stjörnur“ (google übersetzt: Die Sonne verdunkelt sich, die Erde erbleicht, die Sterne verschwinden vom Himmel). Die Reise Eclipse, Highlands and Volcanoes wird definitiv unvergesslich und einmalig bleiben.

Ein Kommentar

  1. Schön, dass es doch noch geklappt hat, wenn auch nur kurz.
    Es war hier bei uns ein eindrückliches Erlebnis, trotz keiner totalen, dafür prächtiges Wetter .
    Der Unterschied hier, es wurde nicht dunkel wie bei der Totalität d.h. Die Vögel
    Reagierten nicht, es blieb hell ( 1999 ein ganz anderes Erlebnis, auch weil es über Mittag stattfand, mystisch ist wirklich dann das rechte Wort).
    Danke für Deinen Bericht und das/die tollen Bilder.
    Weiterhin schöne, erlebnisreiche Tage in Island ( hast ja bereits geistig gemacht).
    Gr eo

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