Neue Strassenführung über Hornafjördur, Ringstrasse mal kürzer, mal länger

Die neue Ringstrassenroute über den Hornafjördur mit Gletscherblick und neuer Brücke. 26.06.2026

Am 24. Juni wurde der neue Streckenabschnitt über den Hornafjördur im Südosten Islands offiziell eröffnet. Die Ringstrasse verkürzt sich damit um rund zwölf Kilometer, während diese bei anderen Änderungen auch schon länger wurde. Auf unserer Reise Ostisland mit Papageitauchergarantie konnten wir die neue Strasse nutzen, noch ohne Maut zahlen zu müssen.

Bei schönem Wetter und von Höfn Richtung Westen fahrend, bietet sich Reisenden ein Blick auf die einzigartige Vatnajökull-Gletscherwelt. Gleichzeitig hat man das Gefühl, teilweise übers Meer zu fahren. Am frühen Morgen des 26. Juni hatten wir das Gefühl, die Strasse sei speziell für uns eröffnet worden und genossen die wunderbare Aussicht.

Einige Eindrücke aus dem fahrendenden Bus vom 26.06.2026 kurz nach der Eröffnung sind in der Fotogalerie:

Bei der Eröffnungsfeier sang der Frauenchor Hornafjördur, welcher schon 2020 auf die Notwendigkeit Brücken auf zwei Spuren auszubauen, aufmerksam machte. Damals sangen sie in der Region auf den zahlreichen einspurigen Brücken. Mit der Eröffnung des neuen Streckenabschnitts wurde die Ringstrasse im Südosten nicht nur kürzer, sondern dank der doppelspurigen Brücken auch sicherer. Insgesamt waren fast 28 Kilometer neue Strasse notwendig, vier neue zweispurige Brücken von total 468 Metern entstanden, diejenigen über Hornafjardarfljot (250 Meter) und Hoffellsa (114 Meter) sind die längsten. Zudem wurde ein Verkehrskreisel gebaut und ein Picknickplatz eingerichtet. Das Projekt startete bereits 2004, in den Jahren 2017, 2021 und 2022 konnten Offerten für die Bauarbeiten eingereicht werden. Istak erhielt schliesslich den Zuschlag und startete mit dem Bau im Herbst 2022. Eines der grössten Verkehrsprojekte in Island der vergangen Jahre wurde damit der Öffentlichkeit übergeben. Die alte Strassenverbindung hat die Strassennummer 987 erhalten.

Um die hohen Kosten von mehr als 10 Milliarden Isländische Kronen tilgen zu können, wird die neue Verbindung ab 1. September 2026 mautpflichtig. Die Mautgebühr wird ab September automatisch erfasst werden und monatlich werden Rechnungen an die Halter der von Kameras erfassten Nummernschilder verschickt. Die Kosten für einen gewöhnlichen PKW unter 3,5 Tonnen werden sich auf ISK 1500 pro Weg belaufen, Die Sprinter-Busse von Best Travel dürften ISK 2100 kosten, grosse Busse und Lastwagen ISK 4500. Bei mehreren Fahrten pro Monat verringern sich die Beträge deutlich. Zur Bezahlung wird die neue Webseite www.spolur.is eingerichtet. Mietwagenfirmen dürften sich bereits Gedanken machen, wie sie die Kosten möglichst schnell den Mietern weiterverrechnen können. Der administrative Aufwand hat bereits deutlich zugenommen mit all den Parkgebühren, die es zu zahlen gibt oder den Kosten für eine Fahrt durch den Vadlaheidargöng-Tunnel im Norden bei Akureyri. Weitere kostenpflichtige Tunnels dürften in den kommenden Jahren entstehen. Beim Untermeerestunnel am Hvalfjördur hingegen, wurde die Zahlstelle vor einigen Jahren aufgehoben. In meinen Augen wäre es berechtigt, Gebühren für die Fahrten durchs Hochland zu erheben. Diese werden alljährlich im Frühsommer mit viel Aufwand präpariert, um das Landesinnere entdecken zu können. Diese Routen dienen einzig dem nationalen und internationalen Tourismus.

Islands Ringstrasse wurde erst 1974 eröffnet. Die grossen Sanderebenen mit Gletscherflüsse am Fuss des Vatnajökull machten es lange unmöglich, mit Fahrzeugen rund um die Insel zu reisen. Erst in neuster Zeit ist die rund 1400 Kilometer lange Strasse Nummer 1 vollständig asphaltiert. Über die Jahre gab es immer wieder Routenänderungen, die Ringstrasse wurde mal kürzer wie jetzt, aber auch länger und weitere neue Strassenführungen sind geplant oder schon im Bau. Mit der Eröffnung des Tunnels Vadlaheidargöng wurde die Ringstrasse 2018 um 16 Kilometer kürzer. 2017 hingegen wurde die Ringstrasse in Ostisland länger, als man sich entschied, die Ringstrasse nicht weiter über die 470 Meter hohe, unasphaltierte Breiddalsheidi zu führen, sondern entlang der Fjorden via Faskrudsfjördur und Fagridalur. Dies machte die Ringstrasse wintersicherer und dieser Abschnitt war schon aspaltiert. Es sind nur einige Beispiele zur Änderung des Verlaufs der Ringstrasse. Auch erinnere ich mich an meine ersten Jahre als Reiseleiterin, als im Nordwesten die Ringstrasse südlich des Hrutafjördurs noch über den Fluss führte und zur fast legendären alten Stadarskali-Tankstelle führte. Für mich war ein Stopp dort immer ein Muss, die neue N1-Tankstelle hat viel weniger Charme, aber wird oft genutzt, um zum einen die Fahrt zu unterbrechen und für alle, die mal „müssen“. Da Island über deutlich mehr unverbautes Land verfügt, wird wenn immer möglich, eine bestehende Strasse nicht verbreitert, sondern gleich neu gebaut. Die alte Strasse wird umnummeriert, wenn sie notwendig ist, um zu Häusern und Höfen zu gelangen. Braucht man Abschnitte nicht mehr, wird der Asphalt entfernt und der Natur zurückgegeben.

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