Fischhaut aus Island heilt Wunden – Updates zur Hilfe für Brandverletzte von Crans-Montana

Werbung für Heilung durch Fischhaut von Kerecis im Flughafen Keflavik. 14.05.2024

Updates vom 10. Januar 2026 zur Hilfe von Kerecis für Brandverletzte von Crans-Montana am Ende des Beitrages und vom 17.01.2026 der Beitrag aus der Schweiz von 20 Minuten.

(Originalbeitrag vom 26.05.2024) Vor wenigen Jahren hatte ich davon gehört und gelesen, kürzlich zog ein grosses Werbebild am Flughafen Keflavik meine Aufmerksamkeit auf sich. Die Firma Kerecis verarbeitet Fischhaut, welche zur Wundheilung verwendet wird. Normalerweise wird im langen Gang zu den Gates nebst schönen Landschaften, Skyr und tollen Kleidern eher mit isländischen Kosmetikprodukten oder einem Bad in der Blauen Lagune zur Verschönerung der Haut geworben. Nun leuchtet am selben Ort das eher unschöne Bild eines Mannes, dessen Verbrennungen mit isländischer Fischhaut geheilt und er vermutlich vor dem Tode bewahrt wurde. Im Titel der Werbung lässt sich ein QR-Code scannen, unter welchem die ganze Geschichte erzählt wird. Gefunden habe ich diese auch auf der Webseite von Kerecis und erfahren, dass der Mann Petur Oddsson heisst. Die Werbefläche zeigte Wirkung, mein Interesse zu recherchieren war geweckt.

Werbung für Fischhaut-Heilung von Keresis eingezoomt. Flughafen Keflavik, 14.05.2024

Um was geht es bei der medizinischen Fischhaut-Technologie? Informationen liefert vor allem die Webseite von Kerecis. Während man für schlecht oder gar nicht heilende Wunden sowie Brandveretzungen oft eigene oder Schweinehaut genutzt wird, bietet Fischhaut von Dorsch einige Vorteile. Demnach gibt es kein bekanntes virales Übertragungsrisiko zwischen Dorsch aus dem Nordatlantik und Menschen, es braucht auch nur eine einfache Verarbeitung der Fischhaut, so dass die Struktur der menschlichen Haut ähnlich bleibt. Menschen- und Schweinehaut muss viel mehr bearbeitet werden um Krankheitsübertragungen zu vermeiden. Jeder Prozess aber zerstört die Struktur des Gewebes und eignet sich deshalb nur bedingt um möglichst gute Resultate zu erreichen. 

Bereits 2011 berichtete Iceland Review über eine Expansion von Kerecis in Isafjördur in den Westfjorden. Kerecis schloss damals Investionsverträge mit den Fischereigesellschaften Klofningur und Hradfrystihusid-Gunnvör, welche mit eigenen Trawlern in der Hochseefischerei, aber auch in Fischfarming und -verarbeitung tätig waren. Kerecis versprach Fischhaut von gezüchtetem Dorsch der Firma Hradfrystihusid-Gunnvör zu verwenden, welche bei Klofningur zur Weiterproduktion verarbeitet wurde. Für die Unternehmen in den Westfjorden war die Expansion von Kerecis mehr als willkommen, auch wenn noch niemand genau sehen konnte, ob dieses innovative Projekt erfolgreich sein würde. In den Westfjorden hoffte man auf eine Ankurbelung der lokalen Wirtschaft. 

Die eigentliche Geschichte begann 2007 mit dem Chemiker und Medizinaltechniker Fertram Sigurjonsson, welcher sich mit diabetischen Wunden und Gewebetraumen beschäftigte. Er hatte die Idee mit Fischhaut zu heilen. Er suchte den Kontakt zu Arztkollegen und schloss sich mit Baldur Tumi Baldursson und Hilmar Kjartansson zusammen, weiter stiessen der Anwalt Baldvin Björn Haraldsson  und der für amerikanische Patente zuständige Ernest Kenney zu Kerecis, auch Fertrams Vater und Chemiker Sigurjon Olafsson und seine Frau Fanney Hermannsdottir, eine Biotech-Ingenieurin waren beteiligt. Die Firma genoss bald die Garantie des isländischen Technologiefonds. Leider verlief über die Jahre nicht alles wunschgemäss, so wurde 2011 ein Anerkennungsantrag zurückgewiesen und genauere medizinische Studien wurden verlangt. Investoren hielten deshalb versprochene Zahlungen zurück und das in Reykjavik eröffnete Büro wurde in die Wohnstube von Fertram verlegt, um Kosten zu sparen. Über die Jahre aber erhielt Kerecis eine Genehmigung nach der anderen, 2016 adaptierte auch die USA Produkte für plastische Heilung und Brandverletzungen. 2019 wurde die in der Schweiz ansässige Firma Phytoceuticals AG in Kerecis integriert. Der Erfolg der Firma wuchs, 2021 wurde Fertram von Ernest & Young zu einem der besten Unternehmer des Jahres ernannt. 2023 zählte das Unternehmen mehr als 300 Mitarbeitende. Von der Idee zur Umsetzung ist Kerecis im Laufe der Jahre zu einer erfolgreichen Firma gewachsen, welche dank Innovation hoffentlich auch in Zukunft vielen Menschen helfen kann. 

Für mich ersetzt die Fischhaut als Medizinalprodukt auch ein wenig das vor einigen Jahren wegen Firmenschliessung verlorene Fischleder. So oder so sind die Isländer immer wieder gut für erstaunliche Innovationen. 

Update vom 10. Januar 2026 zur Hilfe von Kerecis für Brandverletzte von Crans-Montana

Während wir auf einer Silvester-Privattour in Island unterwegs waren, erreichte uns am Neujahrstag 2026 die unfassbare Nachricht über die Brandkatastrophe in der Silvesternacht in Crans-Montana, bei welcher 40 zumeist junge Leute ums Leben kamen und weitere 116 Personen mit schweren Brandverletzungen in diversen Spitälern im In- und Ausland um ihr Leben kämpfen. Den Gedanken, dass nun das isländische Fischhaut-Produkt von Kerecis vielleicht vielen helfen könnte, kam mir bald, aber ich weiss nicht, wie es in den diversen Ländern um die Zulassungen steht.

Schon am 4. Januar berichtete Iceland Monitor, Kerecis würde sofort die Produktion des Präparats aus Fischhaut steigern und Lagerbestände aus Europa und aus Isafjördur würden sofort in die Schweiz geliefert. Der CEO Gudmundur Fertram Sigurjonsson unterstrich gegenüber MBL, wie pflegeintensiv Menschen mit Verbrennungen sind, das Landesspital in Island könne nicht einmal einen einzigen Patienten versorgen und diese würden in Spezialkliniken ins Ausland gebracht. Auch die Spitäler der Schweiz konnten nicht alle Brandopfer von Crans-Montana versorgen und einige wurden in Nachbarländer geflogen. Gudmunder erklärt weiter, zuerst würden die Patienten stabilisiert, danach müssen die Brandwunden versorgt werden. Die tote Haut würde entfernt und wenn möglich wird gesunde Haut von einem anderen Körperteil transplantiert. Hat es aber bei schweren Verbrennungen zu wenig gesunde Haut, kann der extrem schmerzhafte Prozess viele Monate dauern. Kerecis Fischhaut hilft hier den Prozess zu beschleunigen und die Lebensdauer von gesunder Haut zu verlängern. Zur Zeit wird bei Verbrennungen Fischhaut öfter in den USA als in Europa verwendet.

Am 9. Januar schrieb Iceland Monitor, vierzehn Kisten Fischhaut würden mit dem Helikopter der Isländischen Küstenwache ins Vereinigte Königreich geflogen, dort würden die Produkte sterilisiert  und dann in die Schweiz geliefert.

Wir begrüssen diese unkomplizierte und schnelle Hilfe, mögen die Fischhautprodukte von Kerecis den Patienten der unfassbaren Tragödie helfen und die Genesung beschleunigen.

Direkte Links von Iceland Monitor:

Update vom 17. Januar 2026

Am 16. Januar erschien ein Beitrag von 20 Minuten, bei welchem sehr gut recherchiert wurde und auch die medizinische Wirkungsweise erklärt. Es ist meines Wissens die erste Berichterstattung aus der Schweiz. Gemäss dem Artikel wird Fischhaut von Kerecis schon länger im Universitätsspital Lausanne CHUV verwendet. Ob auch andernorts in der Schweiz ist mir unbekannt, aber das Produkt könnte bekannter werden und sich bei Brandopfern bewähren.

Direkter Link von 20 Minuten: Wie atlantischer Kabeljau Brandopfern hilft

6 Kommentare

  1. Oh, sehr interessant! Ich habe vorher noch nie davon gehört oder gelesen und hoffe, dass es den betroffenen helfen kann.

    • Ja, es wäre einfach nur wunderbar, wenn einigen Schwerverletzten mit Verbrennungen geholfen werden könnte. Die Solidarität und die Betroffenheit kennen zum Glück keine Grenzen.

  2. Seht interessanter Kommentar und für die Medizin von grossem Vorteil zum Glück gibt es immer wieder Forscher die an etwas dranbleiben auch wenn es nicht sofort klappt

    • Ja, ich finde das wirklich auch sehr spannend und wir werden schauen, ob wir das Gebäude der Firma im Juni in Isafjördur sehen werden.

  3. Sehr interessant!
    Wie gut bei so grossen Verbrennungen etwas gefunden zu haben das mit weniger Nebenwirkungen belastet ist und die grosse Infektionsgefahr vermindert.

    • Danke Elisabeth, ja das tönt doch sehr vielversprechend und ist einfach sehr erstaunlich. Man muss ja zuerst die Idee haben und in diesem Fall gibt es genügend Ressourcen sozusagen vor der Haustüre.

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