Advent im Hochgebirge von Gunnar Gunnarsson – Buchtipp – Update zum 100 Jahre Anlass

Advent im Hochgebirge, eine Novelle von Gunnar Gunnarsson (mit Stekkjastaur, dem ersten Weihnachtskobold). 11.12.2021

Update am Ende des Originalbeitrags, die Geschichte trug sich vor 100 Jahren zu.

Seit 27 Jahren packt Benedikt jeweils zu Beginn des Advents seinen Rucksack für seine Wanderung ins isländische Hochland. Er sucht dort nach den Schafen, welche im Herbst beim Abtrieb vergessen wurden. Diese Adventsnovelle von Gunnar Gunnarsson ist wirklich empfehlenswert, vor allem für Islandbegeisterte. 

Benedikt ist ein spezieller Charakter und nicht mehr der Jüngste. Stur macht er sich jeden Advent auf den Weg, begleitet von seinem Hund Leo und Knorz, dem Leithammel. Er ist ein Naturbursche und natürlich Tierliebhaber, wer würde sonst mit einem Widder unterwegs sein und selbstlos in den Bergen nach verlorenen Schafen suchen. Benedikt ist sehr religiös und gottesfürchtig, ergibt sich die Gelegenheit hilft er anderen, selbst wenn er weiss, dass es gefährlich sein kann. Am liebsten zieht er schon am ersten Adventssonntag los, viellicht lässt sich seine jährliche Wanderung als eine Art Meditation betrachten. Auf den wenigen Farmen Richtung Gebirge, wird das eigenartige Trio zu dieser Zeit bereits erwartet. Ist ein Sturm im Anzug, versuchen die Bauern seine Weiterwanderung zu verzögern, meistens vergeblich, denn jetzt brauchen die vergessenen Schafe erst recht Hilfe und müssen aus den Bergen zurückgetrieben werden. Wer schon isländische Winterstürme erlebt hat, weiss was dies bedeutet, in den Bergen, im Hochland ist man Wind und Schnee erst recht ausgeliefert. Die Einsamkeit könnte nicht grösser sein! Benjamin ist sich der Gefahr bewusst, seine Erfahrung in der Natur und der Glaube an Gott brachten ihn auch im 27. Advent wieder zurück, mit einigen Schafen, Leo und Knorz! 

Der nicht unumstrittene isländische Schriftsteller Gunnar Gunnarsson legte 1931 mit der Kurzgeschichte „Der gute Hirte“ den Grundstein für die dänische Novelle „Advent“, welche 1936 von Helmut de Boor ins Deutsche übertragen wurde. Leider ist zur Zeit die gebundene Version in der Schweiz im Buchhandel nicht erhältlich, preisgünstig gibt es aber die gelbe Reclamversion, wer kennt diese Büchlein nicht aus den Schulzeiten. Spannend ist das Nachwort des bekannten, isländischen Schriftstellers Jon Kalman Stefansson, welcher fast zufällig auf die Erzählung gestossen ist. Er war erstaunt, mit wie wenig Inhalt  ein tolles Buch entstanden ist. Seit vielen Jahren liest Stefansson den Advent im Hochgebirge zwischen dem 23. Dezember, der Thorlaksmesse und dem Weihnachtstag. Wer weiss, ob ich seinem Beispiel folge, vielleicht nicht ganz an den gleichen Daten, aber das auf dem Buchrücken gedruckte Motto einer ganz besonderen Adventswanderung lädt dazu ein und die Weihnachtszeit wird besinnlich: „Doch schön ist’s mit Sternen zu wandern und gleich ihnen in Bewegung zu sein.“

Update 20. Dezember 2025 zum 100 Jahre Anlass

Wie RUV am 19. Dezember 2025 berichtete, gedachte man am Myvatn Fjalla-Bensi, wie Benedikt in Island genannt wird, da seine bekannteste Wanderung ins Hochland im Advent 1925 stattfand. Im Bericht von RUV sind weitere Informationen über Fjalla-Bensi zu erfahren. Benedikt selbst war Knecht auf einer Farm in Myvatnsveit. Der Widder, sein treuer Weggefährte, heisst in Island Eitill, der Hund Leo hat den gleichen Namen. Anlässlich des Events zum hundertjährigen Gedenken wurde der heftige Sturm erwähnt, in welchen die drei Weggefährten geraten sind. Es existiert auch ein altes Fotos von Fjalla-Bensi (siehe Artikel von Iceland Review), welches 1926 am Myvatn bei Höfdi aufgenommen wurde und sein Grab kann bei der Kirche in Reykjahlid gefunden werden. Spannend tönt auch die Peturskirkja in der Region Myvatnsveit. Sie wurde vom Farmer Petur Jonsson im Jahr 2025 gebaut, um Schutz beim jährlichen Schafsabtrieb zu gewähren. Ungefähr dort soll sich die Geschichte erreignet haben. Diese zu finden, ist soeben auf meiner „Bucketlist“gelandet.  Die Novelle von Gunnar Gunnarsson wurde in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt und lässt sich immer wieder lesen. Für uns Alpenbewohner wäre der deutsche Titel „Advent im Hochland“ (anstatt Hochgebirge) vielleicht noch etwas passender…

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