Das dritte Buch der Kalmann Serie von Joachim B. Schmidt ist im September 2026 unter dem Titel „Kalmann schweigt“erschienen. Ende Oktober wird Joachim in die Schweiz und nach Deutschland reisen und fast durch den ganzen November Lesungen an verschiedenen Orten halten. Seit ich das Buch habe, freue ich mich jeden Tag darauf ins Bett zu gehen und noch einige Seiten zu lesen, so beende ich den Tag schmunzelnd, wenn nicht sogar lachend.
Dem in der Schweiz geborenen, seit Jahrzehnten in Island lebenden Schriftsteller Joachim Schmidt ist mit Kalmann im Jahr 2020 der grosse Wurf gelungen und liess ihn auf einen Schlag berühmt werden liess. Ich kannte bereits seine drei früheren Romane, die im kleinen Landverlag erschienen sind. Bei Diogenes unter Vertrag zu sein, bedeutete viel grössere Reichweite und Bekanntheit. Nun ist also schon das dritte Buch der Reihe erschienen, dazwischen hat Joachim auch Tell und Osmann herausgegeben. Kalmann, die Hauptfigur in den drei Romanen (oder fast Krimis) ist grossartig beschrieben, sein Tun, seine Ideen, aber vor allem seine Denkweise. Letztere lässt mich und vermutlich viele andere Lesende immer wieder schmunzeln. Joachim hat mir auf Anfrage erlaubt, einige Sätze aus dem Buch zu zitieren und hier einzufügen – vielen Dank dafür!
Zitat auf dem Buchrücken: „Zweifel sind wie Schimmel unterm Joghurtdeckel. Man weiss nicht, ob man den Joghurt im Becher trotzdem essen soll.“
Einzigartig sind die von Kalmann formulierten Vergleiche, wie zum Beispiel zu seiner eigenen Person: „Ich grübelte und merkte , dass ich in meinem Oberstübchen mal wieder aufräumen müsste. Ein einziges Durcheinander.“ Oder „Ich war eine Cola-Flasche. So einfach war das. Wenn man mich den ganzen Tag schüttelte und mich zu Hause erst aufschraubte, lief ich über.“ Diese Beschreibungen lassen mich immer wieder laut lachen. Es gäbe viele weitere Beispiele, aber lest besser gleich selbst.
Da ich eine ausgesprochene Langsamleserin bin, geniesse ich das Buch in kleinen Portionen. Während der vergangenen Islandreise blieb dieses zu Hause und jetzt nähere ich mich der Buchmitte. Auf der Reise wurde ich aber an „Kalmann schweigt“ erinnert und musste lachen als ich bei unserer Unterkunft Efsti Dalur ein Hüpfkissen sah. Es gibt deren viele in Island und im Buch hat auch Raufarhöfn ein solches erhalten, Kapitel 4 beschreibt die Geschehnisse um dessen Einweihung. Vermutlich werde ich von nun an bei jedem Hüpfkissen lächeln, welchem ich begegne und beim nächsten Besuch in Raufarhöfn nachschauen, ob es dort tatsächlich eines gibt.
Theaterträchtig wäre die im Buch beschriebene Gemeindeversammlung, bei welcher weder Kalmann noch weitere spezielle Buchcharaktere aus Raufarhöfn fehlten. Die Geschehnisse werden herrlich beschrieben und man sitzt beim Lesen fast dazwischen. Dabei geht es eigentlich um einen aktuellen, politischen und wirtschaftlichen Dauerbrenner in Island, den Bau von Lachszuchtanlagen. Zum einen wäre diese eine Möglichkeit für einen Aufschwung für den abgelegenen, fast am Polarkreis liegenden und von Abwanderung geprägten Ort. Zum andern kennt man mittlerweile in Island auch die Probleme, welche die Lachszucht mit sich bringt und die beiden Oppositionslager streiten sich rund ums Land. Joachim hat das brisante Thema gekonnt eingeflochten.
Ein einzelnes Schaf ziert das Buch und Joachim bedankte sich beim Verlag, dass sein Wunsch berücksichtigt wurde. Natürlich spielt dieses auch eine Rolle in der Geschichte, ich bin gespannt wie es hier weitergeht. Kalmann vergisst es immer wieder und verspricht sich darum zu kümmern. Mich erinnert das Schaf auch an den Schafabtrieb und die -sortierung, welche wir im September 2025 anlässlich der Herbstfarben-Jubiläumsreise miterleben durften.
Es ist schwer zu sagen, wie sehr die Kalmann-Bücher Raufarhöfn Bekanntheit verleihen. Immer wieder wird das Kunstmonument Arctic Henge erwähnt, für welches es sich in meinen Augen definitiv lohnt, dorthin zu reisen. Für mich sind der Ort und sein Sheriff Kalmann längst miteinander verschmolzen und ich freue mich auf einen nächsten Besuch dort, den ich ganz gerne mal etwas länger besuchen möchte. Auch die Umgebung auf der Halbinsel Melrakkasletta hat mit ihrer Einsamkeit einen besonderen Reiz. Und dort hat im neuen Buch Kalmann die alte, mit Geld gefüllte Blechbüchse gefunden, worüber er schweigt oder besser gesagt, mehrheitlich schweigt.
So freue ich mich nun sehr, im Buch weiterzulesen und vermutlich immer wieder zu schmunzeln, Joachim an der Lesung mit meinen Kolleginnen und Kollegen von IPT in Jona zu treffen und zu hören. Zum Abschluss gebe ich gerne noch einen Tipp für alle, die noch gar nicht Bekanntschaft mit Kalmann gemacht haben. Startet nicht mit dem dritten Band, sondern geht der Reihe nach, lest Kalmann sowie Kalmann und der schlafende Berg zuerst, denn „Kalmann schweigt“ enthält immer wieder Erinnerungen an diese Bücher. Viel Spass mit Kalmann wünsche ich!



