7. Mai 2016

Welcome to Iceland – Filmtipp

Der Film "Wecome to Iceland" startet und endet in Eyrarbakki. Winterbild 12.02.2016

Der Film „Welcome to Iceland“ startet und endet in Eyrarbakki. Winterbild 12.02.2016

Rauda Husid, das feine und bekannte Restaurant ist im Film ein Gästehaus. Ein Sarg wird die steile Treppe herunter getragen, in einen Jeep verladen, auch wenn er nicht richtig  hinein passt und ungefähr  zwanzig Meter weit zur Kirche gefahren. Szenenwechsel: Ein Kleinflugzeug landet in der steinigen Einöde des Hochlands. Ein Mann in Regenmantel und Anzug mit Krawatte steigt aus. Das Flugzeug startet wieder. Der Mann erklimmt den nächsten Hügel, öffnet seinen Lederkoffer und entnimmt diesem eine Pistole um sich umzubringen. Aber alles kommt anders und Gregor ist auch nicht ganz allein im Hochland. Ein junges Rocker-Pärchen aus Berlin hat mitten im Nichts eine Autopanne und da taucht schon eine vierköpfige Familie mit perfekter Outdoorausrüstung auf, die Island von Norden nach Süden zu Fuss durchqueren will. Die Dinge nehmen im isländischen Hochland ihren Lauf und die Geschichte endet im Rauda Husid in Eyrarbakki mit so etwas wie einem Happy End. Wer Island kennt, merkt, dass die Reisenden viel Wetterglück hatten…

Der Schweizer Regisseur Felix Tissi drehte im Hochland, wo die Geschichte gleichzeitig entstand. Der Inhalt,  vielleicht eine Spur absurd, passt bestens in die Landschaft. Die Tragikkömödie regt irendwie auch zum Nachdenken an. Der Film ist für Islandfans, Hochlandkenner und solche, die es werden möchten, unbedingt empfehlenswert oder  gute eineinhalb Stunden genüssliches Kino. Er wurde anlässlich der Solothurner Filmtage zum ersten Mal vorgestellt. Leider hat sich das Schweizer Fernsehen an diesem Filmprojekt nicht beteiligt und somit wird der Film auch nicht auf Arte ausgestrahlt werden. Schade, aber gerade deshalb ab ins Kino…

Vielen Dank für den Filmtipp Rosmarie Weibel und Katharina! Weiterlesen →

3. Mai 2016

Viele Seehasen und Wale bei Husavik

 

Der malerische Hafen von Husavik. 25.06.2013

Der malerische Hafen von Husavik. 25.06.2013

Auch langjährige Fischer in Husavik können sich nicht erinnern, jemals so viele Tonnen an Seehasen gefangen zu haben wie dies zur Zeit der Fall ist. Die Boote müssen nicht weit auslaufen und bereits füllt sich Netz um Netz mit diesem Fisch, der auch Lump oder Lumpfisch (isländisch Grasleppa) genannt wird. Selbst die Wintersaison war sehr erfolgreich mit den Dorschfängen und die Lumpsaison startete für die Fischer noch erfolgreicher. Die Seehasen ernähren sich von kleinen Fischen. Es scheint mehr als genug davon zu haben in der Bucht vor Husavik, denn bereits anfangs April kamen Blauwale der guten Nahrungssituation wegen. Jetzt sind auch die ersten Buckelwale in der Skjalfandibucht gesichtet worden. Für Husavik und seine Bewohner ein wahrhaft geglückter Start in den Sommer. Besucher finden hier Angebote für jeden Geschmack. Bekannt und fast zu hundert Prozent erfolgreich sind die Walbeobachtungstouren, ob mit dem traditionellen Eichenboot oder im Schnellboot, wo es auch noch zur Papageitaucherinsel Lundey geht. Meeresangeln kann ebenfalls gebucht werden und im Moment ist ein toller Fang garantiert. Aber selbst ein Besuch im Ort Husavik mit dem malerischen Hafen ist empfehlenswert. Weiterlesen →

24. April 2016

Verkauf der Gletscherlagune – update

Naturperle Gletscherlagune Jökulsarlon. 09.09.2013

Naturperle Gletscherlagune Jökulsarlon. 09.09.2013

Grosse Bildergalerie und update vom 26.04. am Ende des Posts.

Seit wenigen Wochen ist bekannt, dass die Landbesitzer die Gletscherlagune Jökulsarlon verkaufen wollen. Welche Konsequenzen dies für die wohl grösste Touristenattraktion des Landes haben wird? Mehr als 20 Jahre stritten sich die 40 Landbesitzer des Hofes Fell in Sudursveit, wie man die teilweise auf ihrem Land liegende Gletscherlagune touristisch nutzen soll. Während dieser Zeitspanne hat der Tourismus um ein Vielfaches zugenommen und wenn man Pech hat, findet man auch keinen Parkplatz bei der Lagune. Nun haben sich die Besitzer entschieden, dieses Landstück an den Meistbietenden zu verkaufen. Aber mittlerweile sind auch Stimmen laut geworden, dass man dem Staat das Vorkaufsrecht gewähren sollte und es bestehen Ideen, dass Jökulsarlon in den Vatnajökull Nationalpark integriert werden könnte. Für das einmalige Juwel im Südosten Islands wäre dies bestimmt eine gute Variante um die touristische Nutzung mit dem Erhalt der Natur zu kombinieren. Es wäre sinnvoll, dass ganzjährig Ranger vor Ort sind, denn die Ideen einzelner Touristen sind auch mit Gefahren verbunden. So sind Selfies oder Spaziergänge auf Eisschollen bestimmt abenteuerlich, können aber böse enden.

Zweifellos ist die Gletscherlagune Jökulsarlon absolut besuchenswert, selbst wenn man die Naturperle mit vielen anderen teilen muss. Eventuell hat man Glück und findet eine Zeit mit nur wenigen Besuchern. Eine Regel dazu gibt es nicht. Diese Lagune war auch nicht immer da. 1930 reichte der Gletscher bis zur heutigen Ringstrasse. Erst als sich der Atlantik mit dem salzigen Wasser Zugang zur Gletscherzunge geschaffen hatte, begann sich die tiefe Lagune zu bilden. Das Meerwasser bewirkte einen starken Rückgang des Gletschers Breidamerkurjökull und der Gletscher kalbt seit vielen Jahrzehnten in die Lagune. Ein einmaliges Bild bieten die darin treibenden Eisberge, von denen man nur ungefähr einen Zehntel sehen kann. Vom Wind verfrachteter Lavasand und vulkanische Asche gestalten die attraktiven schwarzen Muster in und auf den blauen oder weissen Eisbrocken. Deshalb unterscheiden sich diese Eisberge von anderen auf der Erde. Weiterlesen →

16. April 2016

Das Seelenhaus von Hannah Kent – Buchtipp

Die unscheinbaren Hügel von Thristapar an der Ringstrasse bei Vatnsdalur in Nordwestisland. 15.06.2015

Die unscheinbaren Hügel von Thristapar an der Ringstrasse bei Vatnsdalur in Nordwestisland. 15.06.2015

Bald beginnt wieder die grosse Reisesaison und gar mancher fährt ahnungslos entlang der Ringstrasse durch den Nordwesten Islands. Wie oft bin ich wohl bei Thristapar vorbeigefahren ohne von diesem Ort Notiz zu nehmen? Thristapar, oder die drei Kuppen befinden sich wenig westlich der eigenartigen Hügellandschaft des Vatnsdalur. Die Stelle findet sehr wenig Beachtung und kaum ein Mietwagen oder Bus stoppt hier. Ein Tor im Zaun lässt Interessierte durch und die angebrachte Tafel informiert über die traurigen Geschehnisse im Jahr 1830. Damals gab es noch keine Ringstrasse und die Leute waren mit Pferden oder zu Fuss unterwegs. Wäre jemand in besagtem Jahr im Januar bei Thristapar vorbeigeritten, hätte dieser eine grausige Entdeckung gemacht. Auf Pfählen waren menschliche Häupter befestigt. Die Köpfe wurden den als Mörder verurteilten Agnes Magnusdottir und Fridrik Sigurdsson in der letzten Hinrichtung in Island abgeschlagen. Die beiden wurden beschuldigt, die auf dem Hof Illugastadir auf der Halbinsel Vatnsnes lebenden Natan Ketilsson und Petur Jonsson umgebracht zu haben. Die Australierin Hannah Kent lebte als Austauschstudentin lange Zeit in Island und recherchierte die Geschichte von Agnes. Daraus entstand der auf historischen Tatsachen beruhende Roman „Das Seelenhaus“. Weiterlesen →

7. April 2016

Wirren um isländische Regierung

Das ehrwürdige Gebäude mit den Büros der Minister im Herzen von Reykjavik. 12.07.2004

Das ehrwürdige Gebäude mit den Büros der Minister im Herzen von Reykjavik. 12.07.2004

Ist er zurückgetreten oder doch nicht? Die Rede ist vom isländischen Premierminister Sigmundur David Gunnlaugsson, der mit der Veröffentlichung der Panama Papers in Schwierigkeiten und Erklärungsnotstand geriet. Dieser Beitrag war schon einige Male vorgesehen, aber bevor ein Text entstand, erschienen in den News, im Radio und Fernsehen bereits wieder neue Meldungen. Island schaffte es die letzten Tage fast immer auf die Frontseiten der internationalen Presse. Man fragt sich, weshalb gerade Island? In Anbetracht der grossen Datenflut die veröffentlich wurde und den vielen Personen von Rang und Namen, die dort erwähnt sind, erstaunt es schon ein bisschen, dass die ganze Welt nach Island schaut. Vielleicht deshalb, weil die Isländer noch nicht so an Meldungen über Machenschaften mit Briefkastenfirmen und Steuerhinterziehung gewöhnt sind und vielleicht, weil in Island Personen öffentlich kritisiert werden dürfen, was nicht überall auf der Welt möglich ist. Die Offenlegung von Namen und Firmen und die Veröffentlichungen und das Video mit dem Interview, bei dem der Premierminister davon lief, haben in Island einen Sturm der Empörung ausgelöst und die Facebook-Einträge teilten und verbreiteten sich in Windeseile. Sofort wurde zu Demonstrationen aufgerufen und da der Grossteil der Bevölkerung im Grossraum Reykjavik lebt, waren viele spontan bereit teilzunehmen. Skyr und symbolisch für Panama wurden Bananen gegen das Regierungsgebäude geworfen. Die Pfannen und Töpfe dürften teilweise noch die gleichen sein, mit welchen die Leute schon im Oktober 2008 nach dem Zusammenbruch der Banken auf den Austurvöllur vor das Parlamentsgebäude zogen um gegen die Regierung zu protestieren. Weiterlesen →