Die Eisumschlungene – Buchtipp

Zum Gedenken der Verschollenen im Askjasee. 04.08.2012

Zum Gedenken der Verschollenen im Askjasee. 04.08.2012

Man schrieb das Jahr 1907, als sich zwei wagemutige deutsche Forscher und ein junger Student nach Island aufmachten, um das Gebiet der Vulkancaldera Askja zu untersuchen und genauer zu kartieren. Sie wussten von einem Kratersee und zum Expeditionsgepäck gehörte ein Faltboot. Um die Reise finanzieren zu können, beantragten die Forscher an Universitäten Gelder.

Als Transportmittel gab es damals noch keine Flugzeuge, keine Autos und keine Busse. Wer nach Island wollte, reiste mit dem Schiff an, um sich auf der Insel per Pferd oder zu Fuss fortzubewegen. So taten es auch die drei Deutschen, welche von isländischen Führern und Helfern unterstützt und begleitet wurden. Tatsächlich schaffte man die beschwerliche Reise zur Askjacaldera nach vielen Tagen und Wochen. Das Forschungsprojekt misslang, denn Walther von Knebel und Max Rudloff blieben bereits nach der ersten Benutzung des Faltbootes auf dem Öskjuvatn (Askjasee) verschollen – für immer. 

1908 machte sich Ina von Grumbkow, die Verlobte Knebels auf, um zusammen mit dem Deutschen Hans Reck und dem Isländer Sigurdur Simarlidason, das Gebiet aufzusuchen, wo Walter und Max verschollen waren. Die Berichte des Studenten Spethmann über das Geschehen 1907 waren zweifelhaft. Ina wollte sich selbst Gewissheit verschaffen.

Es wurde eine lange und aus heutiger Sicht sehr beschwerliche Reise durch Island, aber Ina war fasziniert von der unberührten und rauhen Natur und schrieb ein Tagebuch mit dem Titel „Isafold“, übersetzt „Die Eisumschlungene.

Fast 90 Jahre später begab sich Frank Schroeder, Journalist und freischaffender Autor aus Berlin auf die Spurensuche.  Er suchte nach alten Dokumenten und reiste in Inas Fussstapfen durch Island. Sein Buch, welches 1995 erschien, ist äusserst lesenswert und dies nicht nur für Askjabesucher. 

Natürlich ist das Reisen mittlerweile viel bequemer geworden und die von Alfred Wegener vermutete Kontinentaldrift bewiesen, aber eine Tour zur Askjacaldera ist auch heute nicht ohne. Von welcher Seite man auch anreist, es sind viele holprige Pistenkilometer zu bewältigen und Furten bleiben den Reisenden nicht erspart. Wer zum Askjasee und dem kleinen Badekrater Viti will, muss dies zu Fuss machen. Je nachdem, kann es selbst im Sommer ziemlich viel Schnee haben. Während meinen Gruppenreisen erwähnte ich jeweils die Namen der Forscher, von Ina und auch das Buch von Schroeder ohne es gelesen zu haben. Dieses Jahr erhielt ich es von einer Teilnehmerin der Spezialreise geschenkt. Ich habe die Eisumschlungene verschlungen – danke Brigitte!

Was mich persönlich am Buch so fasziniert: Ich reiste fast hundert Jahre nach Ina von Grumbkow zum ersten Mal nach Island. Ihre Begeisterung, welche sie in Zitaten und Berichten im Tagebuch notiert hatte, konnte ich vom ersten Augenblick meiner Reise mit ihr teilen. Genau so fühlte und fühle ich oft in Island!

Einige Beispiele aus Frank Schroeders Buch, respektive Inas Tagebuch seien hier aufgeführt:

„Dicht über mir ballten sich die vom Gletscher zu Tal ziehenden Nebelschwaden – alles um mich, über und unter mir wild, düster, ohne sichtbares Leben, ohne die erfreuende Sonne – zu gewaltig und grossartig, um nicht einen Schauder zu erwecken ob der eigenen Kleinheit gegenüber der tausendjährigen Natur.“

„Ich hatte mich längst daran gewöhnt, dass man in Island beständig Dinge unternimmt, die man auf dem Festland von vornherein als unausführbar erklären würde.“

„Merkwürdige Kongruenz der Gefühle: Dieser Unwille von der kalten Vulkaninsel zu lassen. Diese Unlust auf das hektische Treiben der sogenannten Zivilisation. Diese Lust nie mehr zurückzukehren.“

Es gäbe viele Zeilen mehr zu erwähnen, bei denen sich Inas Beschreibungen genau mit meiner Sichtweise decken. Ina kehrte nach einer langen Islandreise nach Deutschland zurück. Ich bin immer und immer wieder auf die Insel gereist und bin noch nicht müde, es wieder zu tun. Jetzt versuche ich als Reiseleiterin den Mitreisenden diese gewaltige Natur näher zu bringen und sie vielleicht ähnliche Gefühle erleben zu lassen. Lassen Sie sich auch entführen und begeistern!

Angaben zum Buch: Die Eisumschlungene, Spurensuche in Island, von Frank Schroeder, erschienen 1995, Verlag Lundi Press, gebunden mit einigen Bildern.

(Meine persönlichen Islandbuchtipps sind als Liste erhältlich, welche unter info@bestoficeland.ch angefordert werden kann.)

Askja-Bildgalerie

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